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Finanzwissen aus dem Feed — warum ich damit aufgehört habe

Ein Tipp, der eigentlich eine Warnung ist, und zwar über etwas, das wir hier alle beruflich betreiben: Content in kurzen Formaten. Bei Unterhaltung ist das großartig. Beim Thema Geld hat es mich Jahre gekostet.

Ich habe über eine lange Zeit Finanzinhalte fast ausschließlich über soziale Netzwerke konsumiert. Kurze Videos, gut gemacht, oft von Leuten, die inhaltlich wirklich etwas wissen. Das Problem war nicht die Qualität der einzelnen Beiträge. Das Problem war das Format.

Kurze Formate müssen Aufmerksamkeit erzeugen. Also wird zugespitzt, verkürzt und mit Zahlen gearbeitet, die im Vorschaubild funktionieren. Alles, was Einordnung erfordert, fällt weg, weil es die Verweildauer senkt. Das ist keine böse Absicht, sondern eine Eigenschaft des Kanals. Wir bauen selbst genau so.

Die Folge bei mir: Ich hatte nach zwei Jahren gefühlt viel gelernt und praktisch keine Methode. Ich kannte Dutzende Einzelregeln, die aus unterschiedlichen Zusammenhängen stammten und sich teilweise widersprachen. Und mein Depot sah entsprechend aus.

Dazu kommt der Empfehlungsmechanismus. Man bekommt mehr von dem, was man schon gesehen hat. Wer sich für ein bestimmtes Anlagethema interessiert, sieht bald ausschließlich Bestätigung dafür. Gegenpositionen tauchen gar nicht mehr auf. Das ist für die eigene Meinungsbildung ungefähr das Schlechteste, was passieren kann.

Ich bin deshalb auf ein zusammenhängendes Format umgestiegen und habe die Dividenden Strategie Masterclass von Andreas Hollmotz durchgearbeitet, der als Dividenden Backpacker bekannt ist. Der Unterschied war nicht, dass dort Dinge stehen, die ich nirgends gesehen hatte. Der Unterschied war, dass alles aufeinander aufbaut und aus einer Hand kommt.

Der Kurs hat elf Module mit über 65 Lektionen und insgesamt mehr als elf Stunden Material. Behandelt wird, wie man Kandidaten findet, wie man sie bewertet und wie man Kauf- sowie Verkaufszeitpunkte bestimmt. Enthalten ist ein Newsroom-Zugang für nachgereichtes Material. Bezahlt wird ein einziges Mal, laufende Kosten entstehen keine. Nach Angaben auf der Kursseite sind bisher über 700 Teilnehmer zusammengekommen.

Was mir am deutlichsten aufgefallen ist im Vergleich zu kurzen Videos: Es wird viel Zeit auf Gegenbeispiele verwendet. Also auf Unternehmen, die auf den ersten Blick attraktiv aussehen und bei genauer Prüfung durchfallen. So etwas funktioniert im Feed nicht, weil es kompliziert ist und niemand darauf klickt. Genau das ist aber der Teil, an dem man tatsächlich etwas lernt.

Was ich der Ehrlichkeit halber dazusagen muss: Auch mit Methode bleibt das Risiko. Kurse fallen, teils erheblich. Eine Dividende wird jedes Jahr neu beschlossen und kann gekürzt werden. Ein Depot mit spürbaren Ausschüttungen entsteht über viele Jahre. Wer die Zahlen aus manchen Kurzvideos im Kopf hat, sollte seine Erwartungen deutlich nach unten korrigieren.

Offenlegung, wie es sich gehört: Mein Link ist ein Partnerlink, ich verdiene bei einem Kauf mit. Wer die Inhalte ansehen will, findet drüben eine vollständige Aufstellung der Module. Wer den Kurs ohne meinen Link ansteuern will, sucht nach dem Namen.

Warum ich das ausgerechnet hier poste: Wir wissen besser als alle anderen, wie diese Inhalte entstehen und worauf sie optimiert sind. Trotzdem konsumieren wir sie privat, als wären sie neutrale Information. Mir ist das erst aufgefallen, als ich meinen eigenen Feed mal mit professionellem Blick angeschaut habe.

Was ich seitdem anders mache: Ich folge zu Finanzthemen bewusst auch Leuten, deren Meinung ich nicht teile. Der Algorithmus tut das nicht von allein, man muss ihn dazu zwingen, und selbst dann rutscht man schnell wieder in die eigene Blase.

Was mir noch aufgefallen ist: Kurzformate arbeiten fast immer mit Beträgen, weil Zahlen Aufmerksamkeit erzeugen. Genau diese Beträge sind aber das Unwichtigste, weil sie von der Ausgangslage abhängen. Wer nur Zahlen sieht und keine Methode, hat am Ende Erwartungen statt Wissen, und das ist beim Geld die schlechteste Kombination.

Wie handhabt ihr das? Konsumiert ihr Wissen zu wichtigen Themen über die Kanäle, auf denen ihr beruflich arbeitet? Und trennt ihr das bewusst, oder läuft das bei euch auch alles im selben Feed?